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Die Handorfer Schmiededynastie Rötting
 
Alle Artikel sind ursprünglich in der Wochenendausgabe des Winsener Anzeigers (Marsch und Heide), 35/82, 36/82 und 37/82 erschienen.
In Handorf war zunächst keine Schmiede vorhanden. So zeigt uns zum Beispiel das aus dem Zeitraum von 1556 bis 1577 stammende älteste Handorfer
Kirchenrechnungsregister, dass sämtliche Schmiedearbeiten, die damals an der Kirche und den Pfarrgebäuden notwendig waren, von auswärtigen Meistern ausgeführt
wurden. Wäre im Ort ein Schmied ansässig gewesen, so hätte man sicher diesem die Arbeiten übertragen.
Auch in den Schatz- und Kontributionsverzeichnissen der folgenden Jahre, speziell aus der Zeit des 30jährigen Krieges (1618 bis 1648), wird eines Handorfer Schmiedes
mit keiner Silbe Erwähnung getan. Zieht man außerdem die mit dem Jahr 1683 beginnende Tauf-, Trauungs- und Sterbeeintragungen der hiesigen Kirche zur Ermittlung
 heran, so wird man auch hierin vergeblich nach einem Schmied suchen.
Das Fehlen einer Schmiede verwundert um so mehr, als Handorf mit seinen immerhin 29 Landstellen von alters her zu den großen Dörfern gehörte und zusätzlich als
Kirchdorf, damals mehr als heute, Bedeutung als Mittelpunkt hatte. Auch an Pferden, die ja für einen Beschlagschmied eine notwendige Voraussetzung sind, war hier
nie Mangel. Schon die Höfnerregister von 1644 (82 Pferde), 1681 (103 Pferde) und 1744 (108 Pferde), wie auch die späteren Statistiken beweisen, dass in Handorf durch
die Jahrhunderte hindurch- mit Ausnahme von Kriegszeiten- ein durchschnittlicher Gesamtbestand von 100 Pferden vorhanden war.
Andere Gründe müssen es folglich gewesen sein, die die Anlegung einer Schmiede verhindert haben. Geht man einmal dieser Frage nach, so zeigt sich bald, dass es
in erster Linie die Lüneburger Schmiedegilde war, die gegen Neugründungen Einspruch erhob. Der städtische Handwerkerverband war mit allen ihm zu Gebote
stehenden Mitteln bestrebt, Konkurrenz aus dem Umkreis Lüneburgs fernzuhalten. Auf Betreiben der Gilde waren im Laufe der Jahrhunderte Bedingungen und Verbote
erwirkt worden, die das Gründen von Schmieden auf dem Lande sehr erschwerten, wenn nicht gar unmöglich machten.
Für den Nahbereich Lüneburgs hatte zusätzlich die sogenannte Bannmeile ihre Geltung, das heißt, in einem Umkreis von einer Meile (7,5 Kilometer) rings um Lüneburg
durfte sich grundsätzlich kein Schmied ansiedeln. Zu allem Überfluss brachte dann noch eine Verordnung vom Jahre 1695 eine Ausdehnung der Bannmeile auf
eineinhalb Meilen, wodurch nun auch das etwa 11,5 Kilometer von Lüneburg entfernt liegende Handorf mit in den Bannkreis der Stadt einbezogen wurde.
Die heute noch an der Bundesstraße 4 vorhandenen Meilensteine, wovon der erste auf Bardowicker Gebiet und der nächste in Höhe von Sangenstedt platziert ist,
hatten also damals für die Schmiedeexistenzen eine schicksalhafte Bedeutung. Allerdings entschied die Behörde bei der Erteilung von Bauerlaubnissen nicht immer
im Sinne der Gilde. So erhielt zum Beispiel der Flecken Bardowick im Jahre 1711 eine Schmiede genehmigt. Doch als 1714 der aus Sachsen stammende Grob-
schmiedegeselle Christoph Hempel den Versuch unternahm, in Handorf eine Schmiede anzulegen, wurde ihm prompt die Erlaubnis hierzu wegen der Nähe Handorfs
zu Lüneburg versagt.
Als Hempel daraufhin sein Bauvorhaben in Oldershausen verwirklichen wollte, erhob die Gilde auch dagegen Einspruch. Das Amt Winsen verwandte sich jedoch für
Hempel, indem es erklärte, dass der Genannte mehr Pferdearzt als Schmied sei und außerdem Oldershausen außerhalb der Eineinhalb-Meilen-Zone liege. Daraufhin
wurde der Bau genehmigt.
Für die Handorfer war durch die Entscheidung von 1714 die Realisierung des Wunsches nach einem eigenen Schmied erst einmal in weite Ferne gerückt. Erst die am
Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgten Lockerungen der Bannrechte und anderen Einschränkungen veranlassten einen neuen Versuch. Wie aus einer im Staatsarchiv
zu Hannover lagernden Akte (Hann.74 Winsen/Luhe Nr. 3072) hervorgeht, richtete am 1.Juli 1829 der Schmiedegeselle Christian Andreas Rötting, Sohn des Winsener
Rademachermeisters Johann Joachim Rötting, das folgende Gesuch an die Königliche Landdrostei zu Lüneburg:
In dem Dorfe Handorf wo gegenwärtig kein Grobschmied existiert, und welches sich in jeder Hinsicht zu der Etablierung einer Schmiede qualifiziert, wünsche ich mich als
Grobschmied niederzulassen; ich habe diese Profession gehörig erlernt, bin in der Fremde gewesen und habe meiner Militärpflicht Genüge geleistet.Die Dorfschaft
Handorf ist, wie ich durch die Anlage zu bescheinigen mir untertänigst erlaube zu meiner Aufnahme bereit.
Hohe Königliche Landdrostey bitte ich daher in tiefster Ehrfurcht mir die Konzession zur Ausübung des Schmiedehandwerks in dem Dorfe Handorf in Gnaden zu erteilen.
Verhältnismäßig schnell, bereits am 24. August 1829, ließ die Landdrostei Rötting die Konzession "zur Treibung des Schmiedehandwerks in dem Dorfe Handorf" zukommen.
Jedoch wurde ihm hierin zur Auflage gemacht, "dass er dieses Handwerk ohne Gesellen und ohne Lehrlinge, auch nur für Landbewohner treibe."
Wenn man nun annimmt, dass die Gilde mit den Vorgängen einverstanden war, so wird man sehr schnell eines Besseren belehrt. Auch die Tatsache, dass Rötting
von 1821 bis 1824 seine Lehrzeit in Lüneburg, sozusagen in der Obhut der Gilde, absolviert hatte, bewahrte ihn nicht vor deren Gegnerschaft. Ihr erster Einspruch war
am 21. Oktober 1829 erfolgt. Da zu diesem Zeitpunkt die Konzession bereits erteilt war, hatte sie jedoch nichts mehr ausrichten können.
Als sich dann, bedingt wohl durch langwierige Grundstücksverhandlungen, der Bau der Schmiede um annährend zwei Jahre verzögerte, witterte die Gilde eine neue Chance,
das Projekt nun doch noch zum Scheitern zu bringen. Erneut schrieb sie an die Landdrostei, diese möge die Konzessionierung rückgängig machen.
Die Landdrostei Lüneburg, die aufgrund des Schreibens der Lüneburger Schmiedegilde vom 28. März 1831 die Zurücknahme der Konzession ernstlich in Erwägung zog,
forderte einen Bericht von der Amtvogtei Bardowick über den tatsächlichen Stand der Dinge an.
Der Amtvogt berichtete am 14.Juli 1831:
(...) Für die Schmiedegilde in Lüneburg kann aus der Anlegung einer Schmiede in Handorf kein Nachteil entstehen, da, wie sie selbst sagt, Oldershausen und Bardowick
den Handorfern näher liegen als Lüneburg, welches anderthalb gute Meilen von Handorf entfernt ist. Für dem großen Kirchdorfe Handorf und den diesem zunächst gelegenen
Ortschaften ist eine Schmiede aber eine Wohltat.
Schwerlich ist denn auch wohl die Schmiedegilde in Lüneburg die Urheberin der gegenwärtigen Bittschrift; vielmehr halte ich dafür, dass das Aufreizen von einem
andern Ort her, wo der Brodneid rege wird, geschehen ist.
Aus einem späteren Bericht (9. September 1831) geht hervor, dass nunmehr von einem Neubau Abstand genommen werden konnte, da inzwischen
die "zweite Hausstelle des Branntweinkenners Hans-Peter Blesh in Handorf" für 570 Reichstaler Konventionsmünze gekauft worden war. Der Amtvogt bat dann noch einmal
eindringlich, für die Einrichtung der Schmiede und den damit verbundenen Umbau des Wohnhauses eine letzte Frist von sechs Monaten zu bewilligen.
Offensichtlich sollte die Schmiede im Wirtschaftsteil des Wohngebäudes eingerichtet werden. Dieser Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, da, wie die mündliche Über-
lieferung besagt, die Handorfer Kirche hiergegen Bedenken anmeldete. Sie befürchtete von dem Schmiedebetrieb bei der Nähe zur Kirche eine Beeinträchtigung der
kirchlichen Ruhe. So ist die Schmiede dann doch an einer anderen Stelle neu erbaut worden. Ein Bauplatz fand sich an der anderen Dorfstraße, der heutigen "Bäckerstraße".
Hier hatte der Herr von Meding einen Geländestreifen in Besitz, der dem von Rötting erworbenen Hausgrundstück genau vorgelagert war und somit eine erste Erweiterung
des Anwesens ermöglichte. Die Übertragung des Grundstückes erfolgte auf meierrechtlicher Basis. An Abgaben hierfür waren jährlich ein Reichstaler, acht Gute Groschen
Dienstgeld und ein Rauchhuhn im Werte von drei Guten Groschen, zwei Pfennigen zu leisten.
Man darf trotz dieser erneuerten Verzögerung annehmen, dass die sechsmonatige Frist eingehalten werden konnte und somit die Schmiede im Frühjahr 1832 fertiggestellt
worden ist (siehe Abbildung), womit Christian Andreas Rötting nun endlich sein Handwerk aufnehmen konnte. Gute Arbeit und nicht zuletzt auch seine am 26. Oktober 1832
erfolgte Verheiratung mit einer Handorfer Bauerntochter, Margaretha Garbers, werden ihm eine schnelle Akklimatisation ermöglicht haben. Den Hauptteil seiner
Schmiedearbeit machte der Hufbeschlag aus, und so verwundert es nicht, dass auch sein Sohn und Erbe die Hufschmiedekunst erlernte.
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